Indien-VAE-Schiedsverfahren Wirkung neuer Reformen und Herausforderungen bei der Vollstreckung

Veröffentlicht 2026-04-15 3 Min. Lesezeit 1 Quelle

Kurzfassung

  • Der Indien-VAE-Handels-"Korridor" verzeichnet einen erheblichen grenzüberschreitenden Deal-Flow, der häufig zu Schiedsstreitigkeiten führt.
  • Das Dubai-Gesetz Nr. 2 von 2025 klärt und stärkt die lokale Schiedsrechtvollstreckung durch die DIFC Courts.
  • Indische Parteien schöpfen DIFC-/ADGM-Institutionen oft zu wenig aus und stoßen bei der Vollstreckung in Indien auf Hürden, weil es an einer Mitteilung nach Section 44 fehlt.
  • Indische Rechtsfachleute laufen Gefahr, Gelegenheiten zu verpassen, wenn sie sich nicht stärker in UAE-bezogene Schiedsfälle einbringen.

Überblick

Der Indien-VAE-Schiedskorridor spielt angesichts der Größe und Komplexität der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen eine wesentliche Rolle. Jüngste Rechtsentwicklungen in den VAE-insbesondere das Dubai-Gesetz Nr. 2 von 2025-wirken sich auf Schiedsverfahren und deren Vollstreckung aus. Während die VAE über ein ausgefeiltes Schiedsökosystem verfügen, sind indische Parteien und Praktiker dort häufig unterrepräsentiert und sehen sich insbesondere hinsichtlich der Vollstreckung in Indien mit verfahrensrechtlichen Hürden konfrontiert, die sich aus veralteten gesetzlichen Bestimmungen ergeben.

Was passiert ist

Tariq Khan, ein Anwalt mit umfangreicher Erfahrung in den VAE, hob in einem Interview hervor, dass sich indische Unternehmen zunehmend in schiedsbezogenen Streitigkeiten wiederfinden, die aus ihren Investitionen in den VAE entstehen. Trotz der fortgeschrittenen Möglichkeiten der Schiedsforen in den VAE-insbesondere der DIFC- und ADGM Courts-machen indische Parteien und Berater diese Wege häufig nicht vollständig nutzbar.

Das Dubai-Gesetz Nr. 2 von 2025 wurde erlassen, um die Zuständigkeit und die Vollstreckungsmechanismen der DIFC Courts zu klären und zu präzisieren, wodurch die Durchsetzbarkeit von DIFC-Entscheidungen in den erstinstanzlichen Gerichten in Dubai gestärkt wird. Diese Reform erhöht die Vorhersehbarkeit und Robustheit der Vollstreckung für ausländische Urteile und Schiedssprüche innerhalb Dubais.

Für indische Parteien besteht zudem ein konkretes Problem: In den VAE mit Sitz (seated) vorgenommene Schiedssprüche können in Indien nicht unmittelbar als ausländische Schiedssprüche unter Teil II des Arbitration and Conciliation Act 1996 vollstreckt werden, weil Indien die VAE unter Section 44 nicht als Gegenseitigkeitsterritorium notifiziert hat. Diese gesetzliche Lücke zwingt die Parteien zu langwierigen und kostspieligen Vollstreckungsumwegen.

In der Praxis beleuchtete Fälle machen deutlich, dass die Gerichte in den VAE bereit sind, zügig einstweilige Erleichterungen zu gewähren (etwa Anti-Suit- und freezing injunctions). Das bietet den Parteien einen erheblichen Schutz, sofern sie rechtzeitig handeln. Gleichzeitig stellen indische Parteien und Berater diese Mechanismen oft zu spät fest und verlieren dadurch wertvolle Zeit und damit verbundene Vorteile.

Kontext

Die Indien-VAE-Beziehung im Wirtschaftsbereich gehört zu den bedeutendsten der Welt und wächst weiter. Indische Rechtspraktiker richten ihren Fokus traditionell jedoch auf Schiedsschwerpunkte wie London, Singapur und Paris und lassen Chancen in den VAE außer Acht, obwohl dort eine internationalisierte Rechtsgemeinde besteht und die Gerichte bereits bewährte Leistungen erbringen. Diese Lücke wird dadurch verstärkt, dass Indien keine gesetzgeberischen Schritte hinsichtlich der Behandlung der VAE als Gegenseitigkeitsterritorium nach dem New York Convention ergreift, was die unmittelbare Vollstreckung von Schiedssprüchen erschwert.

Das Dubai-Gesetz Nr. 2 von 2025 ist Teil der fortlaufenden Strategie der VAE, sich als regionales und globales Schiedsforum zu positionieren, indem es Fragen zur Zuständigkeit und zur Zuverlässigkeit der Vollstreckung angeht. Inzwischen bleibt Indiens derzeitiger Ansatz ein Hemmnis für eine reibungsvollere Streitbeilegung in diesem Korridor.

Warum es wichtig ist

  • Zunehmende grenzüberschreitende Geschäfte zwischen Indien und den VAE erhöhen die Relevanz einer effizienten und vorhersehbaren Streitbeilegung.
  • Die Rechtsreformen und die Leistungsfähigkeit der Gerichte der VAE stellen für indische Unternehmen eine bedeutende, aber bislang zu wenig genutzte Ressource dar.
  • Verfahrensrechtliche und gesetzgeberische Trägheit in Indien hinsichtlich der Vollstreckung von Schiedssprüchen mit Sitz in den VAE verursacht unnötige Kosten und Risiken für indische Anspruchsteller.
  • Eine stärkere Einbindung durch indische Praktiker könnte die Ergebnisse für Mandanten verbessern und berufliche Möglichkeiten erweitern.

Quellen

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